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Sonder-Nachricht aus Lachen aus aktuellem Anlass

Sonder-Rundbrief Lachen 22. März 2020

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Die Chronologie der Ereignisse:

Vor ca. 4 Wochen ahnten wir noch nicht, was sich in kürzester Zeit ereignen würde. Man sprach von einem neuen Virus. Nun ja, das gab es immer mal. Doch die Dramatik hat uns inzwischen alle eingeholt.

Freitag, 13.03.2020

Nein, wir sind nicht abergläubig, aber dieser Freitag, der 13. ist einschneidend. Gästegruppen, die für das Wochenende gebucht hatten, sagen nach und nach ab – wegen Corona.

Ca. 13 Uhr: Anruf von der Stadtverwaltung. Eine Krisensitzung im Rathaus um 14.30 Uhr, zu der Einrichtungen der Stadt Neustadt zusammengerufen werden. Überwiegend Vertreter der Altenhilfe; aber auch wir als Gästehäuser.

Oberbürgermeister Marc Weigel erklärt eindringlich den Ernst der Lage: man rechne mit katastrophenähnlichen Zuständen, der Katastrophenschutz arbeite an einem Notfallplan. Es sei zu erwarten, dass die Kapazitäten des Krankenhauses bei weitem nicht mehr ausreichen würden. Und die Frage an uns: wären wir bereit, unsere Gästehäuser zur Verfügung zu stellen?

Nun ist endgültig klar: auch die letzte Gästegruppe wird von uns abgesagt.

2 Stunden später: ein kleines Team vom Katastrophenschutz fährt auf dem Gelände vor und verschafft sich einen ersten Eindruck von unseren Häusern.

Sonntag 15.03.2020

Wir feiern den letzten öffentlichen Gottesdienst in unserem großen Saal. Alle Besucher müssen sich in Listen registrieren – Auflage des Gesundheitsamtes. Veranstaltungen über 7 5 Personen sind gar nicht mehr erlaubt.

Mittwoch 18.03.2020

Weitere Allgemeinverfügungen der Stadt treten in Kraft. Komplettes Versammlungsverbot. Anruf von der Stadt: „Sind bei Ihnen noch Gäste im Haus?“ Nein. ALLES ist abgesagt.

Die Gästehäuser sind geschlossen. Ein eigenartiges Gefühl …

Donnerstag 19.03.2020

ca. 20.30 Uhr: Anruf: Ob wir noch eine halbe Stunde Zeit hätten für den Oberbürgermeister, Herrn Weigel. Er kommt schließlich ca. 21 Uhr. Die Lage spitzt sich zu, Infektionszahlen steigen rasant, man möchte ein Notfallkrankenhaus, ein „Genesungszentrum“ einrichten – bei uns. Auf die Frage, wann die Vorbereitungen beginnen sollen: „Morgen“. Wir zögern keinen Augenblick. Wenn wir auf diese Weise helfen können, dann ist das jetzt unser Auftrag von Gott.

Freitag 20.03.2020

13 Uhr. Feuerwehr, THW, Katastrophenschutz, „weiße Schiene“. Nochmalige Begehung der Häuser im größeren Kreis. Es wird überlegt, beraten, geplant. Viele Fragen, mehrere Teams.

Samstag 21.03.2020

Ab 8 Uhr beginnen die Aufbauarbeiten. Ein Infoschreiben an die Anwohner wird verteilt. Bauzäune werden gestellt, um Oase und Quelle als „Isolationsbereich“ zu kennzeichnen.


Mobiliar, das nicht benötigt wird, vor allem in Quelle, wird herausgebracht und in Containern zwischengelagert. Material, Betten u.s.w. wird organisiert. Gruppenräume werden in Behandlungsräume umfunktioniert, Gästezimmer in Patientenzimmer. Bereiche werden definiert.

Es wird gehämmert, gebohrt, geschraubt, um Trennelemente zu stellen. Foyer und Anmeldung werden zur Patientenaufnahme hergerichtet.

Techniker kümmern sich um Netzwerk und Notstromversorgung. Es sind über 50 Einsatzkräfte am Werk.

Wir schauen, was wir in den nächsten Wochen brauchen werden und nehmen einige Dinge mit; denn später werden wir keinen Zugang mehr haben. Das Büro unserer Hauswirtschaftsleitung muss von Oase ins Mutterhaus umziehen.

18 Uhr: Der Einsatzleiter macht für einige Schwestern eine kleine Führung, damit wir sehen, was wie geplant ist.

Sonntag 22.03.2020

Die Vorbereitungen gehen weiter. Bettzeug und Bettwäsche wird herbeigeschafft, Betten bezogen, technische Voraussetzungen geschaffen u. v. m., damit der Betrieb bei Bedarf aufgenommen werden kann.

Indessen feiern wir im kleinen Schwesternkreis einen internen Gottesdienst in unserem Andachtsraum. Wir hören auf Gottes Wort, beten für die Menschen, die im Einsatz sind, und für diejenigen, die Hilfe brauchen.

Den ganzen Tag wird weitergearbeitet. Auch der Oberbürgermeister ist vor Ort.

Ca. 20 Uhr kommt die Nachricht: wir sind fertig, alles ist bereit.

Montag 23.03.2020

Nochmals wurde viel gearbeitet.

14.00 Uhr: In Oase wird die Brandmeldeanlage auf die Feuerwehr aufgeschaltet - eigentlich erst für nächste Woche geplant, doch kurzfristig vorgezogen.

17.00 Uhr. Es ist still geworden auf dem Gelände. Quelle ist isoliert. Die letzten Feuerwehrleute atmen auf, wenn sie endlich wieder etwas Ruhe finden. Patienten sind derzeit noch nicht eingezogen.

 

Noch weiß keiner, wie die nächsten Tage und Wochen verlaufen werden. Doch eines wissen wir: Gott ist treu. ER behält den Überblick. In aller Dramatik und aller Not gilt Seine Zusage: ICH bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe. (Jer. 30,11) An dieses Wort werde ich erinnert an diesem Abend. Auch wenn derzeit Abstand angesagt ist, keiner muss alleine sein. Gott ist da. Und wir haben auch gesehen: viele Menschen sind bereit, zu helfen, wo sie gebraucht werden.

Wir beten um Bewahrung, um Genesung, um Schutz, um Gottes Erbarmen. Und darum, dass viele Menschen in dieser Krise neu nach Gott fragen und IHM begegnen.

Sr. Iris Daut

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